Social Commerce

War im Internet der Handel jahrelang als ein bloßes Geben und Nehmen wahrnehmbar, bei dem die persönliche Beziehung zwischen Händler und Kunden wesentlich zu kurz kam, macht sich heute in Zeiten des Social Commerce ein neuer Blickwinkel auf die Geschäftsbeziehungen im größten Computernetzwerk der Welt
bemerkbar. Social Commerce, auch als Empfehlungshandel tituliert, ist in den USA bereits zum Modetrend geworden. In Deutschland stecken die typischen Social
Commerce-Netzwerke noch in den Kinderschuhen. Der Grundgedanke ist dabei so alt, wie auch simpel: Geht man in ein Fachgeschäft für bestimmte Waren, so wird
man bis zum heutigen Tage vom Verkäufer über den gewünschten Gegenstand beraten. Dabei entstehen nicht selten regelrechte Fachgespräche oder es findet ein
Austausch von gegenseitigen Tipps und Ratschlägen statt. Ähnlich ist es in Geschäften von kleinen Handwerksbetrieben, wie in Schlachtereien, Bäckereien, im
Blumengeschäft, beim Schneider oder beim Schuster. Dieses Phänomen wurde in den USA von den Entwicklern der Plattform Etsy aufgegriffen. Etsy begreift sich als
Marktplatz für handgemachte Waren und ist ein Tummelplatz für Künstler, handwerklich Versierte und kreative Menschen. Über 140000 Community Mitglieder
bieten ihre handgemachten, vielfach als absolute Unikate auszumachenden Waren untereinander an. Dabei besteht bei vielen Anbietern zusätzlich die Möglichkeit,
durch gegenseitige Absprache mit dem Kaufinteressierten auf dessen individuelle Wünsche beim Erscheinungsbild der jeweiligen Ware Rücksicht zu nehmen.
Außerdem wird untereinander gerne gefachsimpelt und es werden Ratschläge zur Verbesserung oder Abwandlung der eigenen Waren ausgetauscht. Andere
Netzwerke, wie die Plattform ThisNext geben ihren Nutzern die Gelegenheit, Ihre persönliche Top Ten einer bestimmten Ware zu erstellen und diese Liste dann
beispielsweise als Widget in den eigenen Blog einzubinden. So kann jeder Nutzer, der das Blog des Erstellenden in Augenschein nimmt, dessen persönlichen
Geschmack bei bestimmten alltäglichen Dingen erkennen und auch bei Bedarf kommentieren. Eine dritte, mittlerweile auch hierzulande populäre Erscheinungsform
des Social Commerce ist die Möglichkeit, als Francisenehmer bei einem bestimmten Warenanbieter einzusteigen und mit Hilfe von dessen Produkten einen eigenen,
individuellen Online-Shop zu eröffnen. Dort können dann nach dem persönlichen Bedarf des Franchisenehmers gestaltete Waren aus dem Sortiment des
Großhändlers zum Kauf angeboten werden. Die Firma Spreatshirt ist so ein Social Commerce Vorzeigeobjekt, das in ganz Deutschland eine große Zahl von
Francisenehmern besitzt, die ihre individuell bedruckten T-Shirts in eigens dafür eingerichteten Online-Shops feilbieten und einen Teil ihrer Einnahmen als Provision
an den Leipziger T-Shirt-Hersteller zurückbezahlen. So können kleine Vereine individualisierte Bekleidung für ihre Mitglieder anbieten oder auch in der Öffentlichkeit
stehende Personen Fan-T-Shirts für ihre Anhänger gestalten und herstellen lassen. Der Bereich des Social Commerce wird sich in den kommenden Jahren immer mehr
gegenüber dem herkömmlichen E-Commerce à la Ebay, Amazon und Co durchsetzen. Auch bei diesen großen Netzwerken ist mittlerweile immer deutlicher
die Hinwendung zum Social Commerce zu spüren. Bei Amazon Connect treten beispielsweise Autoren bestimmter, im Portal erwerbbarer Bücher mit Hilfe von
individuell eingerichteten Blogs in Kontakt mit ihren Lesern. Ebay baut seine Community weiter aus und fordert seine Mitglieder nach beinahe jedem Kauf dazu
auf, eine Rezension über das erworbene Produkt zu verfassen, welche dann anderen Nutzern vor einem Kauf zugänglich gemacht wird. Man darf gespannt sein,
welche Blüten der Social Commerce hierzulande in den nächsten Jahren noch hervorbringen wird. In jedem Falle gilt: Kommunikation wird unter den Nutzern des
Internets zu einem immer wichtiger werdenden Verkaufsfördernden Instrument.